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Ankunft in Bolivien
Text von Edson, 24. 10. 05

Nachdem wir uns zwei Tage mit der Bürokratie herumgeschlagen hatten, fuhren wir am 15. 10. 05 nach Bolivien hinein. Wir verließen Corumbá, Mato Grosso do Sul, Brasilien und kamen nach Puerto Soares. Brasilianer, die schon nach Bolivien gereist waren, sowie die bolivianische Polizei warnten uns. Wir sollten sehr vorsichtig sein, weil die Grenzregion sehr gefährlich sei, es gebe Überfälle und andere Schwierigkeiten. Von Puerto Soares bis in die Nähe von Santa Cruz ist die Strasse nicht asphaltiert. Wir fuhren halbwegs ängstlich dahin und nach ungefähr 50km geschah das Unerwartete. Ein LKW kam uns entgegen und gleich dahinter ein Jeep. Der Fahrer des Jeep sah uns wegen des Straßenstaubs erst, als wir bereits sehr nahe waren. Er bremste brüsk, schleuderte vor uns über die Strasse , überschlug sich und blieb mit den Rädern nach oben im Straßengraben liegen. Janina sagte: ¨Lass uns schauen, ob sie Hilfe brauchen!¨ ¨Natürlich¨, antwortete ich. Die Insassen krochen schnell und gelassen aus dem Auto, sie erinnerten mich an Ameisen, die aus einem Ameisenhaufen krabbelten. Es waren vier Männer und eine Frau, allesamt betrunken. Einer war noch blauer als die anderen, er kam in unsere Richtung, zeigte auf uns und wiederholte ständig: ¨Das Motorrad ist schuld, das Motorrad ist schuld!¨ Die anderen ignorierten ihn und lamentierten nur. Sie baten uns um Hilfe, um den Jeep herumzudrehen. Als er wieder stand, stellten wir fest, dass alle vier Räder platt waren. Ein Bolivianer schlug vor, dass einer von ihnen mit mir in die Stadt fahren sollte, um Hilfe zu holen. Jetzt bekam ich es mit der Angst zu tun, bisher war ich ruhig geblieben. Ich sagte, dass wir unsere Reise fortsetzen würden und aus der nächsten Stadt einen Mechaniker schicken. Die Bolivianer wollten den Vorschlag nicht akzeptieren. Am schlimmsten war es für uns, dass einer von ihnen ein Gewehr aus dem Jeep holte und ganz in meine Nähe legte, ich geriet beinahe in Panik. Sie sprachen untereinander absichtlich in einer Eingeborenensprache, damit wir nichts verstanden, nur ab und zu redeten sie Spanisch. Plötzlich sagte einer von ihnen: ¨Brasileiro, brasileiro! Komm her!¨ Zu unserer Erleichterung nahm er meine Hand und sagte: ¨Ihr könnt weiterfahren. Geht mit Gott.¨ Wir fuhren weiter und dankten Gott, dass dieses Kapitel unseres Abenteuers ein glückliches Ende gefunden hatte.

 Wir setzten unsere Reise fort. Am späten Nachmittag gelangten wir in ein Dorf mit Namen Del Carmo. Dort übernachteten wir in einem ¨alojamento¨ und trafen zwei Brasilianer. Morgens stellten wir fest, dass der Hinterreifen des Motorrades platt war, es war das erste Problem, dass wir mit ihm hatten.

Nachdem das Problem gelöst war, setzten wir unsere Reise auf der schlechten Strasse fort. In einem kleinen Dorf fuhr ich friedlich vor mich hin, als Janina schrie: ¨Halt an, halt an!¨ Es handelte sich um eine von der Polizei errichtete Barriere, die in Bolivien ¨la tranca¨ genannt wird. Ich sah zwei Männer ohne Uniform, die mich mit Zeichen zum Anhalten aufforderten, hielt aber nicht an, weil sie nicht uniformiert waren und ich dachte, es könnte ein Überfall sein. Vor uns war jedoch ein dünner Draht über die Strasse gespannt, zusätzlich getarnt durch den Staub der Strasse. Ich versuchte eine Vollbremsung, kam aber nicht rechtzeitig zum Stehen und zerschnitt den Draht. Der Polizist kam sehr wütend angerannt, um mit mir zu sprechen. Nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte, bat er höflich um die Motorradpapiere. ¨Ok. Aber jetzt musst du für 24 Stunden als Gefangener hierbleiben, weil du die Sperre durchbrochen hast.¨sagte er. ¨Senhor, der Draht so dünn, kann nicht sehen rechtzeitig.¨sagte ich in Portuanisch. Nachdem wir eine gute Weile diskutiert hatten, ließ er uns weiterfahren. Wir verbrachten noch einen weiteren Tag auf der Strasse voller Löcher und Schlamm und fielen zweimal mit dem Motorrad um, bevor wir endlich, schmutzig und müde, in Santa Cruz ankamen.

 

Die Anden


Der Beginn der Steigung war mit reichlich Adrenalin verbunden. Wir sahen die Bergspitzen in Wolken und wenig später waren wir bereits dort, zum Teil der Landschaft geworden. Am Nachmittag waren wir auf über 3000 Meter Höhe. Die Luft wurde dünn, das Motorrad verlor an Kraft und hatte Fehlzündungen. Wir trafen eine Gruppe Motorradfahrer, einer von ihnen hatte einen Platten. Wir hielten an und berichteten von unserem Problem, sie sagten uns, dass die Höhe der Grund für das Fehlen von Kraft sei, der Motor leide an ¨Atemnot¨.

Wir setzten unseren Weg mit einem ruckelnden, spuckenden Motorrad fort. Es wurde bereits Nacht, als wir nach Cochabamba kamen. Dort werkelte ein Mechaniker an unserem Carburator herum, löste das Problem aber nur zum Teil. Wir fuhren spät aus der Stadt ab, verschätzten uns in der Entfernung und waren mitten in den Bergen, als es dunkel zu werden drohte.

Wir kamen in ein Dorf mit Namen Japo. Es gab kein Restaurant und kein ¨alojamento¨. Aber der unbeschreibliche Freddy, ein Herr, der als Wächter einer Unterkunft für die Arbeiter eines Straßenbauunternehmens arbeitet, bot uns an, in seiner Unterkunft zu schlafen. Er langweilte sich offensichtlich, war etwas einsam. Er kochte Tee, damit wir uns aufwärmen konnten. ¨Von den brasilianischen Fussballclubs mag ich Santos Futebol Clube am liebsten, denn als ich Kind war hatte ich das Glück, das Team in Cochabamba spielen zu sehen, mit Pele und Consorten.¨ sagte Freddy. Wir verbrachten eine ruhige Nacht, schliefen aber wenig wegen des Sauerstoffmangels an diesem Ort auf über 4000 Meter Höhe. Auf dem Weg nach La Paz blockierte eine Gruppe Studenten die Landstrasse, mitten in der Hochebene der Anden. Die Strasse war voller Steine, niemand kam durch. LKWs und Busse, alles stand.

Wir mogelten uns durch bis nach vorne. Einer der Studenten hielt uns an und fragte, ob Militär käme. ¨Nein¨, sagte ich. Die Studenten wurden ruhiger. Ich begann, mich mit ihnen zu unterhalten. Sie sagten, dass es sich um einen Protest handelte, sie forderten mehr Gelder für die Universität. Ich erzählte, dass die Probleme in Brasilien die gleichen sind und versuchte ihnen zu zeigen, dass ich vollkommen einverstanden war mit der Protestaktion, denn indem sie die Strasse blockierten, schnitten sie die Stadt von einer Versorgungslinie ab.

Den Studenten gefiel die Idee, Fotos für unsere Internetseite zu machen. Ich sagte ihnen, dass so die Welt sehen werde, wofür sie kämpfen.


La Paz
Von Janina, 27. 10. 05


Wir kamen reichlich müde in La Paz an, k.o. von den Aufregungen, die uns Bolivien bisher geboten hatte. Die Stadt ist sehr eindrucksvoll, umgeben von hohen Bergen, einige davon Gletscher, die Häuser an die Steilhänge gebaut. Besonders in den ärmeren Vierteln sind die Konstruktionen abenteuerlich. Ich fragte mich, wie die Menschen hier den Winter überstehen, wir hatten jeden Tag Sonne und frohren trotzdem ständig. Wir verbrachten einen Tag mit Einkäufen und organisatorischem Kram. Am Nächsten besichtigten wir Tiwanaku, eine Ruinenstadt etwa 70km von La Paz.

Legenden zufolge war Tiwanaku gemeinsam mit dem Titicacasee die Wiege des Andenvolkes. Der Staat Tiwanaku dehnte sich über 600 000 Quadratkilometer aus, über Teile von Bolivien, Argentinien, Chile und Peru. Tiwananku war die größte Hauptstadt im präkolumbianischen Amerika, maß 6 Quadratkilometer. Ab 1500 vor Christus ist ein Dorf nachgewiesen, die Stadt erreichte ihre größte Ausdehnung ca. 1200 nach Christus. Wir waren sehr beeindruckt von den Ruinen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg Richtung Peru. Auf einer wunderschönen Strasse fuhren wir am Titicacasee entlang.

Am 26. 10. 05 überquerten wir die Grenze nach Peru.