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Über Kolonien und was daraus wird... (Text von Janina, November 2007)

 

„ Ich möchte einen Tag im Leben arm sein- es jeden Tag zu sein, ist nämlich unerträglich.“ (Spruch auf einem T-Shirt)

 Je mehr mir Brasilien ans Herz wächst, je mehr ich seine Leute und Landschaften lieben lerne, umso schmerzlicher werden mir die Kontraste bewusst, die hier regieren. Elegante Villen und moderne Hochhäuser, riesige Shopping-Center und teure Autos. Schulen aus Wellblech und Palmzweigen, abgemagerte Gestalten und ein Leben, das sich ewig im Kreis dreht. In der dead-zone, die das eine vom anderen trennt: Gewalt, Drogen und Waffen, Waffen, Waffen.

Es gibt diejenigen, die es hinkriegen. Die eine gute Idee haben und wissen, wie man sie vermarktet, die eine Portion Glück haben und jede Menge Kampfgeist. Die brasilianische Gesellschaft scheint mir durchlässiger als die deutsche, wer ein helles Köpfchen hat, der kann es zu was bringen. Oder er bleibt kleben im Spinnennetz einer schlechten Schulbildung, gepaart mit dem Unvermögen vorauszuplanen und den Träumen, die ewig Schäume bleiben. Wie gelähmt sehen diese Menschen zu, während das Leben an ihnen vorbeizieht. Verdientes Geld wird in wenigen Stunden für scheinbar sinnlose Konsumgüter verschleudert, anschließend erträgt man wieder in dumpfem Brüten den sinnentleerten Alltag.

Einfach wäre es ja, wenn man sie dieser Trägheit schuldig sprechen könnte. So jedenfalls beruhigen die meisten, die aus klimatisierten BMWs durch getönte Scheiben auf diese andere Seite ihres Landes schauen, ihr Gewissen. Und rücken damit gefährlich nahe an eine Haltung, die wir Europäer einst auf diesen Kontinent eingeschleppt haben: Dass die, die wir auf grausame Weise zu Sklaven machen, sowieso Untermenschen sind. Man sieht ja, dass sie sich geradezu bereitwillig in ihr Schicksal fügen. Wenn niemand mit der Peitsche hinter ihnen steht, dann tun sie eben gar nichts. Was für eine entsetzlich sadistische und dabei täuschend einfache Erklärung. Da sitzen sie in Palästen aus Glas und blitzendem Metall, die Herren von heute, und haben Macht und Geld, von denen ein Plantagenbesitzer zur Kolonialzeit niemals auch nur geträumt hätte. Das Ganze können sie dann auch noch „Freiheit“ und „Demokratie“ nennen. Früher hatte ein Sklave einen gewissen Wert, heute bedeutet ein Menschenleben nichts. Und wie sollen sie sich wehren, die modernen Sklaven, gegen wen sollen sie den Aufstand proben? Ein System hält sie in Klauen, das immer perfider und dabei immer unpersönlicher wird. Eigentlich ist keiner schuld am Elend dieser Menschen. Irgendwie sind wir alle schuld.

Wie haben wir es nur geschafft, ein System zu kreiren, in dem für jeden Gewinner tausende von Verlierern teuer bezahlen müssen? Und wozu haben wir eigentlich unser Hirn, wenn wir nicht endlich einen Ausweg finden, bevor unsere geschundene Erde endgültig auseinander bricht?

 

Eindrücke von unserer diesjährigen Reise nach Brasilien

Auf dem Hinweg: Zwischenstopp in Lissabon

Bei Edson zu Hause: Edsons Mutter bricht Babaçu- Kokosnüsse auf. Vom Verkauf der Nüsse, aus denen unter anderem Öl gewonnen wird, ernähren im Maranhão viele Frauen ihre Familien.

Zu Besuch in Nogueira, dem Dorf, in dem Edson Lehrer war (links im Bild die Schule)

Ein Abenteuer mit dem Schlauchboot: Eigentlich wollten wir nur ganz gemütlich den Fluss Itapecuru von Timbiras bis zurück nach Coroatá runterfahren. Als es Nacht wurde, hatten wir nicht mal die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Und so stand uns noch ein längerer Fußmarsch durch die stockfinsteren Palmwälder bevor. Wenn sie nicht gestorben sind, dann haben sie vielleicht gelernt, sich mal vorher nach den örtlichen Gegebenheiten zu erkundigen...

10 Tage São Luís: Edson stand hauptsächlich auf Ämtern und in Banken in der Schlange, um Papierkrieg zu erledigen, aber ab und zu konnten wird dann doch den Strand genießen.

Auf dem Rückweg: 3 Tage Zwischenstopp in Fortaleza