5-6_2006
 Home Vorbereitungen 8_2005 9_2005 10_2005 11_2005 12_2005 1_2006 2-4_2006 5-6_2006 10_2007 11_2007 10_2008

Home
Vorbereitungen
8_2005
9_2005
10_2005
11_2005
12_2005
1_2006
2-4_2006
5-6_2006
10_2007
11_2007
10_2008

Text von Edson, Juni 06

Nach soviel gemeinsam verbrachter Zeit, in der ich viel von meinem eigenen Land kennengelernt habe, 12 Länder Lateinamerikas gesehen, die unglaubliche Schiffsreise gemacht und sechs Länder Europas besucht, kam der traurigste Moment dieser Reise heran, der Abschied. Wie schön war es gewesen, Janina mein Land zu zeigen, wie viel Neues habe ich in den anderen Teilen meines Kontinents gesehen, die Natur und die Menschen an den Orten, an denen wir vorbeikamen, die unfassbare Bergkette der Anden. Es war Wahnsinn! Aber so ist das Leben, an irgendeinem Punkt ist Abschied Teil davon. Janina blieb in ihrem Land, ich zog allein weiter.

Am 28. April betrat ich das Schiff mit Kurs auf Buenos Aires. Die Sicherheitsvorschriften am Hafen erlaubten es nicht, dass Janina mit mir hineinging, ein Sicherheitsbeamter zeigte mir den Weg bis zur Rampe des Schiffes, mit dem ich fahren würde. Die Seeleute sprachen in einer „komischen" Sprache, sie versuchten, mit mir Englisch zu reden, mit Gesten und indem wir irgendetwas daherredeten konnten wir uns schließlich verständigen. Ich schaffte es, in Englisch zu fragen, woher sie kämen, sie antworteten, dass sie von den Phillipinen seien. Wir befestigten das Motorrad am dafür reservierten Platz und nahmen den Aufzug bis zu meiner Kabine im neunten Stock. An der Tür stand schon mein Name und: „Von Hamburg nach Buenos Aires". Als der Matrose die Tür öffnete, zeigte sich zur Verwunderung aller, dass die Kabine voller Taschen und Koffer stand. Die Besatzung schämte sich sehr und alle waren wütend, sie entschuldigten sich vielmals und stellten meine Koffer in den Fitnessraum. Einer von ihnen machte mir Zeichen und sagte auf Portugiesisch „essen, essen". Ok, sagte ich ihm. In der Küche wurde ich dem Steward vorgestellt und er bat mich herein und hieß mich, mich zu setzen. Einige Herren saßen schon beim Essen, französische Passagiere an einem Tisch und Seeleute an den anderen. Ich grüßte sie und setzte mich. Nach einigen Minuten sagte einer etwas in Englisch zu mir, ich verstand nichts, nahm aber an, dass er sagte, ich solle mich bedienen. Ich wartete noch etwas, dann kam ein Seemann und sagte mir ebenfalls, ich solle mir nehmen, also ok.

Zu Beginn schenkte niemand mir große Aufmerksamkeit, ich wurde auch über nichts informiert, es war ein einziges Gerenne auf dem Schiff. Nach dem Abendessen ging ich Richtung Kabine, als der Kapitän mich aufhielt und mit mir sprach, er bat um meinen Reisepass und den Impfpass. Am nächsten Morgen gegen 10.30 Uhr legte das Schiff zu seiner langen Reise ab, auf der mehrere Stops in Europa und Afrika vorgesehen waren.

Am Nachmittag des 30. April erreichten wir Belgien und legten am 1. Mai gegen 21.00 Uhr wieder ab. Am nächsten Morgen, als ich hinausging, um nach dem Wetter zu sehen, waren wir schon mitten im Ärmelkanal, der englischen Küste näher als der französischen. Man konnte sehr schön die berühmten weißen Felsen von Dover sehen, aber auch die französische Küste erahnen. Am Nachmittag des 2.Mai kamen wir in Le Havre, Frankreich, an. Gegen 19.00 Uhr schaute ich mit einem der Passagiere gerade ein Video an, als sein Freund ganz eilig hereinstürmte, es sei an der Zeit zum Aussteigen. Die beiden waren ebenfalls Abenteurer, sie brachten drei Autos mit über den Atlantik, sie hatten fast ganz Südamerika bereist und waren auf dem Heimweg. Sie verabschiedeten sich, wünschten mir viel Glück und verließen das Schiff. In diesem Moment wurde ich sehr traurig, denn ich hatte die beiden sehr sympathisch gefunden, sie sprachen Spanisch und mochten mich ebenfalls. Von oben vom Schiff sah ich, wie die drei Autos die Rampe hinunterfuhren. Sie hielten an, verabschiedeten sich und fuhren davon. Sie sahen noch nach oben, bemerkten mich und winkten. Es war ein sehr trauriger Moment, ohne die beiden netten Herren und, was das Schlimmste war, ohne Janina.

Die Industrieländer tragen eben doch zur Umweltverschmutzung bei. (Hier nur Kühltürme / Wasserdampf)

Am folgenden Tag legte das Schiff um 14.40 Uhr ab und nahm Kurs auf Bilbao in Spanien, am Morgen des 5.5. lagen wir schon im Hafen der spanischen Stadt. Nach dem Frühstück ging ich zum Kapitän und schaffte es in meinem schrecklich schlechten Englisch zu fragen, ob die Beamten der Einwanderungsbehörde an Bord kommen würden. Der Kapitän meinte nein. Er begann sofort, in Englisch auf mich einzureden, ich sagte ihm, dass ich nicht Englisch spreche, fragte, ob er Spanisch könne, er sagte, nur sehr wenig. Er redete weiter Englisch, ich verstand nichts, war schon ganz verwirrt und fragte auf Deutsch: „Wie bitte?" Der Kapitän riss die Augen auf und guckte fast etwas erschrocken. Auf Englisch fragte er mich, ob ich Deutsch spreche. Ein kleines bisschen, antwortete ich. Daraufhin begann er Deutsch mit mir zu reden und sagte mir endlich, wann ich wieder auf dem Schiff sein musste, wenn ich einen Ausflug machen wollte.

Ich war so froh, dass ich in die Stadt gehen konnte, dass ich meinen Reisepass vergaß. Es fiel mir zwar kurz darauf ein, aber ich hatte keine Lust, noch mal zurück zu gehen. Ich fragte einen Beamten im Hafen nach dem Weg aus dem Hafen, er erklärte alles auf Englisch, so dass ich schließlich fragte, ob er nicht Spanier sei. „Doch", sagte er. „Dann sprich bitte Spanisch mit mir, ich kann die Ami-Sprache nicht." Sagte ich. An der ersten Sperre fragte niemand nach meinem Reisepass. Ich wanderte friedlich dahin, als ein PKW brüsk bei mir bremste, fast wäre er ihm ein Laster draufgefahren. Ein Herr bot mir an, mich mitzunehmen. Erst an der letzten Sperre wollte die Polizei meinen Ausweis sehen. „Oh, den hat mir den Kapitän nicht gegeben", jammerte ich. „Wahrscheinlich, damit ich auch bestimmt zurück an Bord komme." „Nein, nein," rief der Polizist. „Sie müssen wenigstens ein offizielles Dokument vom Schiff dabeihaben." Der Herr, der mich mitgenommen hatte, mischte sich ins Gespräch ein und sagte den Polizisten, dass ich nur ein paar Einkäufe machen und bald zurück sein würde. Ich zeigte meinen Personalausweis (der nur in Brasilien gilt) und meine Krankenversicherungskarte her. Schließlich ließ die Polizei mich passieren, ich solle aber bald zurückkommen. Uff!

Ich ging nur in dem Teil der Stadt spazieren, der dem Hafen am nächsten ist, ich besuchte kein Museum und lernte auch nicht die Altstadt kennen. Ich fuhr mit dem Taxi zurück und stellte mir schon die Bürokratie vor, bis ich wieder in den Hafen hineinkönnte. Der Taxifahrer hielt an und sagte den Polizisten, dass er nur einen Passagier zurück zum Schiff brächte. Ok, antwortete der Polizist und guckte mich nur kurz an. Noch mal, Uff!

Am gleichen Abend gegen 23.00 Uhr legte das Schiff ab, Casablanca war das nächste Ziel.

Marroko, das erste afrikanische Land

Am Morgen des 8.Mai waren wir morgens bereits in der marrokanischen Stadt. Ich ging zu Fuß bis ins Stadtzentrum. Ich fragte immer irgendwie, wie man hinkommt, bis die Leute verstanden, was ich wollte und es mir auf Englisch erklärten und irgendwohin deuteten. Ich verstand nicht, was sie sagten, aber ich bedankte mich und lief in die Richtung, in die sie gezeigt hatten. Offizielle Landessprache ist Arabisch, Französisch zweite Amtssprache, die alle sprechen, aber Englisch ist sehr verbreitet, fast alle können es. Wenn wir mit dem Motorrad durch Marokko gefahren wären, wäre es sicher im Straßenverkehr schrecklich gewesen. Die armen Fußgänger die versuchen, die Fahrbahn auf dem Zebrastreifen zu überqueren! Die Auto- und Motorradfahrer treten aufs Gaspedal und hupen. Es ist ein Skandal, wenn jemand vor ihnen über die Straße will, schimpfen sie noch, er solle Platz machen, damit sie weiterfahren können. Wir verließen Marroko und setzten die Reise fort.

Größere Motorräder sieht man hier wohl nur, wenn gerade die Paris- Dakar gefahren wird...

Senegal

Am 12. Mai lagen wir bei Sonnenaufgang schon im Hafen von Dakar. Amtssprache ist Französisch, aber fast jeder spricht Englisch. Ich wanderte durch einen kleinen Teil der Stadt, sehr viel habe ich nicht gesehen. Einige weiße Menschen stachen aus der Menge der Einheimischen hervor. Auf die eine oder andere Weise halten die Weißen die Macht in Händen, mehrere mittelständische und große Geschäfte sind im Besitz von Weißen. An den Kiosken kann man Postkarten kaufen, die das afrikanische Alltagsleben und die Natur zeigen, aber in den Zeitschriften, die dort verkauft werden, geht es nur um die Schönheit weißer Frauen, die Mode der weißen Frau, Kosmetikprodukte für weiße Frauen usw. Da werden auf unsensible Art und Weise Vorurteile geschürt und paaren sich mit wildwucherndem Kapitalismus. Die Menschen werden gezwungen, ihre eigenen Werte aufzugeben und gegen etwas einzutauschen, was in Wahrheit ganz geringen, ja oft überhaupt keinen Sinn hat. Am nächsten Tag gegen 15.00 Uhr setzten wir die Reise Richtung Gambia fort.

Eine Straßenverkäuferin hat ihre Ware zwischen den Containern ausgelegt.

Gambia

In nur 8 Stunden Fahrt erreichten wir Banjul, die Hauptstadt Gambias, ein kleines Land in Westafrika. Gegen 18.00 Uhr am 13.5. legten wir ab Richtung Conacre.

Guinea

Wir erreichten Conacre am 14.5. gegen 19.00 Uhr. Die Mannschaft riet davon ab, dass Passagiere hier an Land gehen. Die Polizei wolle viel Geld von den Passagieren und in den Straßen der Stadt regiere die Gewalt, es gebe viele Überfälle usw. Nachdem ich das gehört hatte, verließ ich das Schiff lieber nicht. Am nächsten Tag legten wir um 14.00 Uhr ab, Freetown war der nächste Hafen und der letzte auf dem afrikanischen Kontinent.

Sierra Leone

Es war ganz nah, nur 4 ½ Stunden Reise. Die Seeleute arbeiteten die ganze Nacht, es war nicht möglich, von Bord zu gehen, um mehr über dieses kleine Land zu erfahren. Am 16.5. um 8.00 Uhr legten wir ab. Nächster Halt: Mein Land.

Die abergläubischen Seereisenden des 15. Jhds fürchteten, sie könnten von ihm verschlungen werden...

Zurück in Brasilien, am 22. Mai in Vitória. Meinen Glückwunsch an die Bürokratie meines Landes, sie ist eine Show der besonderen Art. Die Beamten erlaubten nicht, dass ich in meinem eigenen Land von Bord ging wegen des Motorrades, obwohl ich doch alle Dokumente besitze. Ich wurde weitergeschickt nach Argentinien, wo ich sehr freundlich empfangen wurde. Ich hatte mir vorgestellt, dass es in Argentinien schrecklich für mich sein würde, vor allem wegen der Rivalität von Argentinien und Brasilien im Fußball, aber es war richtig schön, Argentinien kennen zu lernen. Die Argentinier sind sehr offen und haben mich sehr gut aufgenommen. Einziges Problem war die argentinische Polizei, die es gründlich ausnutzte, dass das Motorrad keine internationale Haftpflichtversicherung hat. Vier Mal musste ich saftig Strafe zahlen. Ich machte mich jetzt schnellstmöglich auf den Heimweg, ich wollte sobald wie möglich ankommen. Trotzdem sah ich noch viel von Brasilien, lernte es aus einem anderen Blickwinkel kennen. In ganz Lateinamerika sind die Menschen sehr gastfreundlich, niemand misst den Aufwand, wenn es darum geht, jemandem zu helfen.

Von Buenos Aires bis Coroatá war ich nur 21 Tage unterwegs, ich hielt nur selten an, um mir etwas näher anzusehen, denn die Route war fast dieselbe, die ich mit Janina gefahren war. Wie schön war es schließlich, endlich die Landschaft wiederzusehen, in der ich zu Hause bin, meine Palmen, die Janina so sehr liebt.

Dois anos depois nos encontramos em Minas Gerais.

Zwei Jahre später trafen wir uns in Minas Gerais.

Os escravos neles carregavam as mulheres dos donos de escravos. Museu de Paracatu, Minas Gerais.

In solchen Sänften trugen die Sklaven die herrschaftlichen Frauen. Museum von Paracatu, Minas Gerais.

Em Homenagem aos trabalhadores que construiram Brasília.

Zu Ehren der Arbeiter, die Brasília erbauten.

S 14°09' W 47°35', alt 1175

De volta no Maranhão:

Zurück im Maranhão: